Nach dem sensationellen 0:0 des vergangenen Samstags beim haushohen Favoriten, dem amtierenden Meister und Pokalsieger FC Bayern München, blieb für die FCC-Frauen keine Zeit zum Feiern. Denn nur drei Tage später gab schon der 1. FC Union Berlin, den FCC-Trainer Florian Kästner vor der Partie als "kein üblicher Aufsteiger" apostrophierte, seine Vistenkarte in Jena ab. Mit vier Punkten auf der Habenseite reisten die Köpenickerinnen nach Jena und wollten diesem Punktepolster weitere Zähler hinzufügen - so wie auch unser FCC, dessen Trainer Florian Kästner dabei der gleichen Start-Elf wie zuletzt beim torlosen Remis an der Isar vertraute.
"Wir wollen Jena siegen sehen" sangen die Fans vor Spielbeginn, während drei große Zeiss-Fahnen auf dem grünen Rasen geschwenkt wurden. Etwa 250 Eiserne hatten sich aus Berlin auf den Weg ins Paradies gemacht und sorgten ebenfalls für eine tolle Unterstützung ihrer Mannschaft. Jena versuchte in den Anfangsminuten, die Unionerinnen hoch zu attackieren und so früh ihren Spielaufbau zu stören. Eine erste gute Gelegenheit für den FCC ergab sich nach etwa fünf Minuten, als sich Isabella Jaron ein Herz nahm und bis in den gegnerischen Strafraum marschierte, wo sie jedoch - anstelle vielleicht selbst den Abschluss zu suchen - den Pass versuchte, der jedoch keine Abnehmerin fand. Kurz darauf war wieder sie es, die an der Strafraumgrenze eine Abschlussmöglichkeit hatte, aber den richtigen Moment zum Schuss verpasste (8.). Es waren muntere Anfangsminuten, in denen beide Teams ihre Torannäherungen hatten. Die erste große Möglichkeit hatte Sophie Weidauer für die Unionerinnen auf dem Fuß. Doch ihr Flachschuss aus etwa 12 Metern Torentfernung strich knapp am langen Pfosten vorbei (13.). Die Gäste aus Berlin waren nun die präsentere Mannschaft, während der FCC - zumeist in der eigenen Hälfte mit Defensivaufgaben gebunden - nach Entlastung suchte. Diese ergab sich nach 25 Minuten und dem ersten Eckball für die FCC-Frauen. Doch Steffi Schmids scharfe Hereingabe auf das Tor wurde letztlich zur sicheren Beute für Unions Schlussfrau Cara Bösl. Nach einer knappen halben Stunde dann die Führung für die Gäste, als sich Katja Orschmann nach einem Eckball aus der Distanz traute und flach und durch viele vor FCC-Keeperin Hannah Etzold stehende Beine hindurch ins kurze Eck zur Führung für die Eisernen traf (29.). Das Tor gab den Köpenickerinnen weiteren Rückenwind, während sich der FCC erst einmal schütteln musste - aber nur kur. In der 35. Minute kombinierte sich Jena wunderbar auf der linken Seite durch, legte den Ball zurück auf die einschussbereite Isabella Jaron, die aus etwa 18 Metern abzog, aber deren Schuss geblockt wurde. Jena boten sich durchaus Räume, doch gelang es dem FCC nicht, diese für torgefährliche Abschlüsse zu nutzen, während Union aus seinen Chancen ebenfalls viel zu wenig Kapital schlug. So blieb es beim 0:1 zur Pause, das für die zweite Halbzeit noch alles offenließ.
In der Halbzeitpause gab es dann eine Staffelübergabe: Günter Lehmann, langjähriger (10 Jahre) Stadionsprecher der Jenaer Fußballfrauen, wurde vom Verein in den wohlverdienten Unruhestand verabschiedet. Er übergab zur Pause den Staffelstab in Form eines Mikros an Moritz Zelkowicz, der ab sofort bei den Heimspielen unserer Frauen als Stadionsprecher zu hören sein wird. Und er sollte auch gleich zu tun bekommen! Es waren keine zwei Minuten gespielt, da presste unser FCC bei einem Unioner Abstoß den Ball, der vor den Füßen von Rieke Tietz landete, die sich nicht zwei Mal bitten ließ und zum 1:1 ausglich (47.). Nun lag das Momentum auf Jenaer Seite, während die Gäste aus der Wuhlheide sich sichtbar neu sortieren mussten. In der Folgezeit entsponn sich zunächst eine offene Partie auf Augenhöhe. Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit musste Josephine Bonsu verletzungsbedingt die Partie verlassen. Für sie kam Suya Haering ins Spiel. Die Schlussviertelstunde wurde von offensiven Unionerinnen eingeläutet, die mehr als einen Punkt wollten. Doch sowohl eine Ecke, die auf der Linie geklärt wurde, als auch ein Schuss aus der Distanz, der Hannah Etzold im Jenaer Tor vor keine großen Mühen stellte, blieben ohne Torerfolg. Dafür wurde es auf der anderen Seite nochmals brenzlig, als vier Minuten vor Spielschluss eine Flanke von Nelly Juckel lang und länger wurde und um ein Haar den Weg ins Berliner Tor gefunden hätte. Doch Union-Keeperin Bösl konnte klären. Ein Jenaer Punktgewinn war zum Greifen nah, da schlug in der 89. Spielminute Union eiskalt zu. Nach einem Berliner Freistoß an der linken Jenaer Strafraumseite kam der Ball nach einer Kopfballverlängerung von Bauereisen scharf zur am zweiten Pfosten lauernden Dina Orschmann, die zum 1:2 für ihre Unionerinnen einköpfte. Sechs Minuten Nachspielzeit blieben dem FCC noch, um nochmals zurückzukommen. Doch die Köpenickerinnen brachten die knappe Führung über die Zeit und konnten am Ende über drei Punkte jubeln, während unserem FCC einer spät aus den Händen glitt. Ein gemessen an den Spielanteilen und Chancen nicht unverdienter Sieg der Gäste, der aber auch wegen des späten Siegtreffers eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit ein durchaus glücklicher war.
Spielstatistik
Mannschaftsaufstellungen:
FCC: Etzold - Bonsu (69. Haering), Schmid, Ihlenburg (C), Sträßer, Juckel - Reske (65. Mühlemann), Gora (46. Julevic) - Gentile - Tietz (81. Margraf), Jaron
Union: Bösl - Schneider, K. Orschmann, Heiseler (69. Bauereisen), Weidauer, Campbell, Steuerwald, Weiß (77. Aehling), Halverkamps (D. Orschmann), Pawollek, Reissner (69. Heikkinen)
Tore:
0:1 K. Orschmann (29.)
1:1 Tietz (47.)
1:2 D. Orschmann (89.)
Zuschauer:
1.384
Schiedsrichterinnen:
Miriam Schwermer
Jennifer Steingräber / Simone Jakob